Christina Baumann - in the hood

Titelbild

Eine geheimnisvolle Gesellschaft findet sich in der Nacht zusammen. Die auffällig rot gekleidete Person steht mit dem Rücken zum Betrachter und legt segnend die Hand auf den Kopf einer kleineren Gestalt. Zwei weitere Figuren in bodenlangen Gewändern schauen sich nervös um oder reflektieren den Betrachterblick. Am linken Rand steht ein Maskierter, nur an der Krawatte als Mann erkennbar mit verkrampfter Hand, die wie die Gesichter der Umstehenden aus der Dunkelheit des Hintergrundes hervorleuchtet. Eine genaue Situation auszumachen fällt schwer, zu viele Bruchstellen spicken das Bild, zu viele Fragen bleiben offen. Warum trägt der Mann eine Maske? Wo befinden sich die dargestellten Personen? Welche Verschwörung geht hier vor sich?

Fragen, die das Bild nicht beantworten kann und will, aber vielleicht die Künstlerin. Stellen kann man sie ihr persönlich am 28. September in der Eisenbahnstraße 128b von 14–20.30 Uhr anlässlich des Projektes FREIRAUM im Rahmen des Stadtteilkulturfestivals OSTlichter.

Organisiert wird die eintägige Ausstellung vom Kunstverein gegenwart e.V., einem gemeinnützigen Verein, der im August 2012 von Leipziger Masterstudierenden des Instituts für Kunstgeschichte gegründet wurde, junge Künstler fördert und seinen kuratorischen Fokus auf den Leipziger Osten und die kulturelle Bereicherung der dort liegenden Stadtteile gelegt hat.

Die 1982 in Witzenhausen bei Göttingen geborene Christina Baumann studierte Malerei und Grafik an der HfBK in Dresden und war zwischen 2011 bis 2013 Meisterschülerin bei Peter Bömmels. Seit Herbst 2012 ist sie Mitglied im Organisationsteam des Kunstraums „ENERGIEkombinat“ in Leipzig, wo sie seitdem lebt und arbeitet.

Die in der Ausstellung gezeigten Bilder Baumanns zeichnen sich durch ihren pastösen Habitus aus, der aus den Materialien Öl, Kohle, Kreide und Wachs resultiert und durch die zerkratzte Oberfläche eine Einheit mit den ebenfalls archaisch anmutenden Motiven bildet. Die zu Masken verzogenen Gesichter der meist schwer arbeitenden oder verloren im Raum schwebenden Protagonisten, deren Physiognomie zwar humanoid aber nicht menschlich ist, erinnern an die Figuren von Jean Dubuffet oder Mimmo Paladino.

Die Verbindung zum Leipziger Osten und speziell der Eisenbahnstraße wird auch in den gezeigten Werken sichtbar. Die Figuren in den Einzel- oder Gruppenporträts unterscheiden sich voneinander in Statur, Proportionen, Größe und Farbe und bilden so eine Heterogenität, durch die sich auch die Umgebung der Ausstellung auszeichnet. Von außen wird diese Heterogenität leider immer noch oftmals als Homogenität des Fremden verurteilt.
Um sich einen Einblick in die Vielfalt des Bildpersonals der Werke Baumanns und der kulturellen Landschaft der Eisenbahnstraße zu verschaffen, lohnt sich ein Besuch am kommenden Samstag.

 

Christina Baumann

Kunstverein gegenwart e.V.

OSTlichter

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