Et Boom, c'est le choc!

Sommertheater im Innenhof des Grassimuseums Site4 von Victoria Vorbröker (02.07.2013)
Titelbild

Wie auch die diesjährige Spargelernte fiel die Premiere des  Sommertheaters im Grassi-Museum, die jährliche „Open-Air Veranstaltung“ der Schauspielstudenten des 2. Jahres der HMT, fast ins Wasser, als es  in der Pause plötzlich zu regnen anfing. 

Doch von der späteren Aufregung lässt sich in der ersten Hälfte des Stückes noch nichts ahnen. Gespielt wird dieses Jahr der Klassiker „Wie es euch gefällt“ von William Shakespeare.              
Eine verwirrende Komödie über Feindschaft, Freundschaft, Beziehungskisten, aber vor allem über Liebe

So tritt als erstes die Leidenschaft mit ihren beiden „Assistenten“ auf, verkörpert als Damen in Barockkleidern. Damit es am Ende auch wirklich Liebe und Heirat gibt, suchen sie im Publikum zwei Gäste, die sich notfalls verheiraten lassen, falls die folgenden Missverständnisse und Verwirrungen sich doch nicht aufklären sollten. An jeder Stelle, an der sich auch nur ein Hauch von Hochzeit andeutet, mischt sich die Leidenschaft ein, wird aber zum „Abwarten“ angehalten.

Das Bühnenbild besteht aus orangen Tüchern und Decken, die teilweise während des Spielens von den Schauspielern ausgerollt werden.Hysterisches Kreischen und heilloses Durcheinander.
Das Spiel in der ersten Hälfte rutscht nahezu ins Lächerliche. Der Ringkampf in Slowmotion wirkt überzogen, unterhält aber.

Als kurz nach Beginn der Pause das Unwetter über uns einbricht, droht die Stimmung zu kippen. In einer Hand mein Glas, in der anderen den Schreibblock, verharre ich hockend neben Leidensgenossen unter der Tribüne.

„Wir haben das nicht geprobt. Was jetzt passiert, weiß ich nicht. TOI TOI TOI!“ verkündet Regisseurin Antje Weber, kurz bevor es provisorisch auf der Treppe in dem überdachten Durchgang zum Innenhof weitergehen soll.
Die neue Bühnensituation schafft eine Nähe zwischen Publikum und Schauspielern, die sonst nicht möglich wäre.

Es entstehen Situationen, die spontan bewältigt werden müssen. So wird die zufallende Tür zum Foyer zum „Running-Gag“ und muss immer wieder aufgehalten werden. Spielerisch wird sie von den Akteuren mit ins Bühnenbild eingebaut. 

Das Stück besticht durch Witz, Klischees und moderne Elemente. So stimmt Amiens Enrique Iglesias „Hero“ an, um Celia zu bezirzen, der in die zickige Phöbe verliebte Schäfer Silvius wird als treudoofer Schwabe dargestellt und Rosalinde schenkt Orlando statt ihrer Kette ihre Taucherbrille und entschwindet zur Wassergymnastik. Auch der Ausruf „Et Boom, c'est le choc“, als Einstimmung auf den Ringkampf von Orlando und Charles, sorgt zumindest beim Jüngeren Publikum, das den Französisch-Buch-Klassiker noch erkennt, für einen Lacher. 

Die Notwendigkeit zu Improvisieren treibt die Schauspieler zu Höchstleistungen.  Zu erwähnen seien Rosalinde, gespielt von Nina Gummich, und Phöbe, gespielt von Nadine Quittner, die ihr Können vor allem in der zweiten Hälfte  unter Beweis stellen.
Allein die Rolle des Jaques hätte ich mir weniger manisch und mehr melancholisch inszeniert gewünscht. 

Man kann es wohl  „Klamauk“ nennen, was sich uns an diesem Abend bietet. Es ist erfrischend,  mal wieder ein Stück zu sehen, das vor allem unterhält. Nachdem alle Akteure zusammen enthusiastisch Aretha Franklins „I say a little Prayer“ singen, gehe ich beseelt nach Hause.  

 

Mit Justus Pfannkuch, Philipp Noack, Cedric Cavatore, Lukas Mundas, Nina Gummich, Manuel Zschunke, Pauline Kästner, Max Radestock, Kerstin König, Max Rothbart, Natalia Joselewitsch, Kilian Land, Nadine Quittner, Maria Radomski, Tobias Krüger

Regie Antje Weber

Dramaturgische Beratung Holger Kuhla

Produktionsleitung Kristina Patzelt

Technische Leitung Roland Bier 

Bühne & Kostüme Martin Fischer

Licht/Ton/Tischlerei Innerer Dienst der HMT Leipzig

 

Weitere Aufführungen 2./3./4./5./6./7./9./10. Juli um 20 Uhr & 6. Juli um 15 Uhr 

Weitere Informationen www.sommertheater-leipzig.com

 

Foto Uwe Frauendorf/Harald Horvath

Über die Autorin Victoria studiert in Leipzig Geschichte und Theaterwissenschaft. Weitere Artikel der Autorin gibt es hier.

 

Kommentare & Bewertungen

Jetzt selbst kommentieren/bewerten!

© 2017 artileipzig.de - Sonja Laaser. All rights reserved.
all graphics, logos, designs, page headers, buttons, icons and other service names are the trademarks of nachtausgabe.de GmbH.