Fühlt euch wie zu Hause

Weniger ist mehr: Niels Frevert tritt im Werk II in kleiner Besetzung auf und interpretiert seine Songs neu. Seiner Musik tut das gut. Site4 von Denis Gießler (25.09.2015)
Titelbild

Während sich Kritiker und Fachpresse darüber einig sind, dass Niels Frevert einer der ganz großen deutschsprachigen Musiker ist, landete er als Solokünstler noch nie einen „Hit“. In Talkshows und vor Liveauftritten ständig von der Frage gemartert, warum sich denn kein kommerzieller Erfolg einstellen wolle, bleibt Frevert sich und seiner Musik trotzdem treu – und das ist auch gut so. Denn so bekommen seine Fans aller drei Jahre ein neues Album mit wunderschönen Songs geliefert, in deren kleinen Geschichten man sich wiederfinden und schwelgen kann.

Für sein aktuelles Album „Paradies der gefälschten Dinge“ (2014) startete der mittlerweile 48-Jährige im September seine „Morgen ist egal“-Tour. Spielte der gebürtige Hamburger bislang immer in größer Besetzung, bestreitet er seine aktuellen Auftritte nur mit einem Cellisten und Pianisten. So spielte er am Dienstag im Werk II vor gut einhundert Leuten ein kleines Konzert mit alten und neuen Songs.

Gleich zu Beginn sorgte die neue Bandkonstellation für hörbare Unterschiede: Stellenweise neu interpretierte Songs bestätigten die Tour-Ankündigung, mit der sich Frevert auf „das Wesentliche" besinnen wolle – bemerkbar an den ersten beiden Stücken „Nadel im Heuhaufen“ und „Speisewagen“. Aber auch Klassiker wie „Ich würd dir helfen, eine Leiche zu verscharren“ wirkten ohne Schlagzeug deutlich ruhiger als die Album-Version. Nach den ersten Songs machte Frevert dem Publikum ein Geständnis: Die Anreise nach Leipzig sei so stressig gewesen, dass die Musiker keine Gelegenheit hatten, eine Songreihenfolge auszumachen, weswegen diese jetzt improvisiert werden müsste. Und so wechselte Frevert zwischen jedem Song seine Gitarren, stimmte die Saiten neu - mit einem automatischen Stimmgerät hatte er bereits mehrfach Schwierigkeiten, wie er mit einem Augenzwinkern zugab - und überbrückte die Zeit mit kleineren Wortgefechten mit seinen sichtlich gutgelaunten Kollegen Ladis Cinzek am Cello und Mark Reinke am Piano.

Die Harmonie der Musiker und die gemütliche Atmosphäre ließen das Gefühl entstehen, als ob ein paar alte Bekannte auf der eigenen Bühne stehen und ein Privatkonzert geben. Da passte es ins Bild, als Frevert seine letzten Songs mit „Danke, dass ihr da seid, fühlt euch wie zu Hause“ einleitete: „Muscheln“, „Morgen ist egal“ und weitere Stücke ließen die 90 Minuten Konzertzeit wie im Flug vergehen, wodurch der Hamburger Musiker ein Mal mehr unter Beweis stellte, dass er zu den ganz großen Musikern Deutschlands gehört – auch ohne kommerziellen Erfolg.

 

Foto: Eva Bretschneider

Zum Autor: Denis Gießler, 25, studiert Journalistik und lebt in Leipzig.

 

 

Kommentare & Bewertungen (5) 

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Helen Davis
Helen Davis am 02.01.2017 um 20:49 Uhr
Great tracks, great article. Thanks so much!
Mehta Kajal
Mehta Kajal am 07.08.2016 um 16:06 Uhr
i love music
Isabella Obrien
Isabella Obrien am 07.05.2016 um 14:59 Uhr
I love guitarists as well, but don't call me a groupie! Maybe one day I will meet this one?
George Meekins
George Meekins am 24.04.2016 um 17:53 Uhr
Your music is so amazing. It really is so deep and touching. I wish I could meet you!
Harley Robinson
Harley Robinson am 19.03.2016 um 16:55 Uhr
I love men who play guitar. It makes them a lot more attractive! Moreover, Paradies der gefälschten Dinge is my favourite album since last year!

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