Filmkritik: The Place Beyond The Pines

„Weißt du was, Luke? Wenn du fährst wie ein Blitz, wird es dich erwischen wie einen Donnerschlag.“ Eine Geschichte zwischen Bankraub und Familienidyll, Glück und Unglück. 05.07.2013
Titelbild

Über seinen tätowierten Oberkörper zieht Luke (Ryan Gosling) ein Metallica-Shirt, schlüpft im Gehen in eine weinrote Lederjacke und läuft durch die Lichter des Rummelplatzes zu seinem Auftritt. Seine Schritte knirschen auf dem Kiesboden, die Schwaden seiner Zigarette wabern durch die Nacht, Jahrmarktmusik mischt sich mit den Rufen der Besucher. Als der blonde Motorradstuntman das Zelt betritt, kreischt das Publikum. Von der ersten Minute an ist „Handsome Luke“ mit seiner weißen Maschine Publikumsliebling – im Film und im Kino. Er ist gleichzeitig der harte Kerl und der einfühlsame Softie.

„Weißt du was, Luke? Wenn du fährst wie ein Blitz, wird es dich erwischen wie einen Donnerschlag.“ Diese Worte seines Freundes Robin (Ben Mendelsohn) sind eine Vorahnung, aber noch ist der Film hoffnungsvoll. „Weißt du noch, wie ich heiße?“ Vor der Kulisse des nächtlichen Riesenrads auf dem Rummelplatz spinnt sich die zaghafte Romanze zwischen Luke und Romina (Eva Mendes) weiter. Sie kennen sich seit dem vergangenen Jahr, als er schon einmal mit der Show in der Stadt war. Luke weiß ihren Namen noch. Als er sie besuchen will, öffnet die Mutter mit einem Kind auf dem Arm. „Wer ist der süße Kleine?“ – „Dein Sohn“.

Eigenes Bild 2 (gross)Luke ist fest entschlossen, in der Nähe seines Kindes zu bleiben und schmeißt den Job hin. Romina weist ihn aber ab, als er bei ihr erscheint. Sie und ihr Freund Kofi (Mahershalalhashbaz Ali) sind gerade auf dem Weg zur Taufe des Kleinen. Luke folgt ihnen auf dem Motorrad. Später sitzt er in der hintersten Kirchenbank und weint.

„Dein Talent ist eine Gabe“. Robin überredet Luke dazu, Banken auszurauben und dann mit dem Motorrad zu fliehen. Er willigt ein, denn Luke will Jason ein besserer Vater sein und dafür braucht er Geld. „Mein Vater war nie da“ – und man sehe ja, was aus ihm geworden sei.

Im Film wechseln die Szenen zwischen Bankraub und Familienidyll, Glück und Unglück. Romina und Luke verfüttern dem Kleinen sein erstes Eis, sie schläft bei Luke, dann wieder Streit, Geschrei und Verzweiflung. „Du wirst ihn nie wiedersehen.“

Dann wird Luke nach dem missglückten Banküberfall von dem Polizisten Avery (Bradley Cooper) erschossen. Das Schicksal der zerrissenen Familie rückt in den Hintergrund, jetzt wird eine andere Geschichte erzählt.  Eigenes Bild 3 (gross)Avery wird seines Lebens nicht mehr froh, als er hört, dass er einen Vater erschossen hat, der auch ein einjähriges Kind hat. „Ich kann meinen eigenen Sohn nicht mehr ansehen.“ Seine Kollegen feiern ihn als Helden.  Später kommen verdrängte Trauer und Aggressionen hervor: Averys Ehe geht kaputt. Seine Frau versucht, ihn vom Polizistenberuf abzubringen. „Ich kann mir keinen Job vorstellen, den ich lieber täte.“ Er belügt sich selbst und alle anderen. Seine Kollegen stellen sich als korrupt heraus, das Berufsleben ist eine Abfolge von Niederlagen und Katastrophen.

Dann kreuzen sich auch noch die Leben der beiden Kinder. Sein Sohn AJ (Emory Cohen) und Lukes Sohn Jason (Dane DeHaan) gehen auf eine Schule, freunden sich an, kiffen, werden gemeinsam mit Drogen erwischt, streiten, die Situation eskaliert. Und wieder beginnt der Film mit einer neuen Handlung. Aber auch hier nur Drama und Unglück.

Als Jason dann ein zerknittertes Foto mit seinen Eltern und sich als Baby findet, ist das eine kurze Rückblende auf die schönen Momente zu Beginn des Films. Allzu viele sind es nicht, anders als der Trailer suggeriert. Da ist von all der Tragik nur wenig zu sehen. Tatsächlich bleibt dann aber von der hoffnungsvollen Stimmung der ersten  Stunde kaum etwas und all das Leid danach ist mit der Zeit ermüdend.

 

Amerika 2013, Spielfilm, 140 Minuten

Bilder: © Studiocanal

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Über die Autorin: Sofia Dreisbach studiert Germanistik und Geschichte in Leipzig. Weitere Beiträge der Autorin finden Sie hier.

 

 

 

 

 

 

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