Filmkritik: "To the Wonder"

Viel Liebe, viel Streit, viel Melancholie, viel tiefstehende Abendsonne. 01.07.2013
Titelbild

Amerika. Ein dunkles Haus am Ende der Welt. Auch nach Wochen sind die Räume noch kahl, manche komplett leer. Dennoch ist alles stets vom warmen Licht der tiefstehenden Sonne beschienen – es scheint den ganzen Tag Sonnenuntergang zu sein in Oklahoma. Hier wohnen seit Kurzem Marina (Olga Kurylenko)und Neil (Ben Affleck) mit Marinas Tochter Tatiana. Die findet Paris, wo sie vorher mit ihrer Mutter gelebt hat, aber schöner: „Mama, wir müssen hier wieder weg, irgendwas fehlt hier.“ Die Mutter will das aber nicht hören und hüpft lieber noch ein bisschen durch den Garten, den Supermarkt und das Kornfeld oder liegt melancholisch im Haus auf dem Teppichfußboden. Als Neil sie fragte, ob sie mit nach Amerika kommen wollte, hat sie nur gesagt: „Wenn du mich liebst, brauche ich nichts anderes.“ Marina hat mit 17 geheiratet, dann das Kind bekommen, wurde geschieden.

Thumb_crop_200x100_blog_31985_7306_6745Die zerbrechliche Frau schaut mit ihren großen, dunklen Augen immer etwas traurig drein, schweigt viel und schürzt nur vorwurfsvoll die vollen Lippen – das kann über kurz und lang kein Mann aushalten. So auch Neil, der eine Affäre mit seiner blonden Jugendfreundin Jane (Rachel McAdams) beginnt (Auch sie hüpft gern im sommerlichen Kleid durch die Felder). Es gibt Streit, Geschrei, dann wieder innige Liebe. „Ich möchte eine Ehefrau sein.“ Dazu Nahaufnahmen von Marinas zartem Gesicht, immer von ein paar losen Haarsträhnen umspielt, die aus ihren Kinderzöpfen fallen.

Aber dann ist auf einmal doch das Ende da. Marina reist mit ihrer Tochter zurück nach Paris. Ein letzter enttäuschter Blick aus dem abfahrenden Taxi. „Hättest du mich gebeten zu bleiben, Thumb_crop_200x100_blog_31985_7306_6744wäre ich geblieben.“ Tatiana will bei ihrem leiblichen Vater und der neuen Frau bleiben. Marina ist allein, geht unter im dunklen, regnerischen Paris. Sie kehrt zu Neil zurück nach Amerika. Er verlässt Jane, heiratet Marina. Von nun an schleichen sie im Haus umeinander herum. „Ich will die Ketten sprengen und frei sein.“ Und die ganze Geschichte beginnt von vorn. 

Der Pfarrer, der immer wieder auftritt (Javier Bardem), kann auch nicht helfen. Er betet mit Gefängnisinsassen und hilft in Problemvierteln. Er spricht mit einer abgemagerten rauschgiftsüchtigen Mutter, für die er dann doch nichts tun kann. Er hadert mit Gott: „Warum kehrst du uns den Rücken?“ In seinen Predigten hat er aber wie all die anderen keine Antwort auf die großen Fragen des Glaubens und der Liebe, die Terrence Malick in seinem Film stellt.

To the Wonder” ist langatmig. Zu viel Liebe, zu viel Streit, zu viel Melancholie, zu viel tiefstehende Abendsonne, zu viel Gehüpfe. Die bedeutungsschweren Voice-over-Erzählungen stecken so voller Floskeln, dass der Zuschauer den Kitsch kaum ertragen kann. Terrence Malick hat mit seinem siebten Film – nach dem preisgekrönten „The Tree of Life“ – kein neues Wunder geschafft.

 

Vereinigte Staaten 2012, Spielfilm, 113 Minuten.

Bilder: © Magnolia Pictures

Über die Autorin: Ariane Dreisbach studiert Germanistik und Geschichte in Leipzig.

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