Gott in Plastik?

Der Lindenfels Westflügel hatte am vergangenen Wochenende Bekannte aus Berlin zu Besuch. Die Schauspielgruppe Kaufmann & Co. zeigte „Licht bitte! Ein Stück über die Schöpfung“. Site4 von Christina Mergel (12.03.2015)
Titelbild

Wenn man ein Theaterstück im Theaterstück inszenieren will und das auch noch als Geburtstagsgeschenk für Gott, ist das sicherlich keine leichte Aufgabe. Zwei Engel nehmen sich der Sache an, um sich neben allen Erzengeln, Cherubinen, Seraphinen, Schutzengeln, Nutzengeln und Arbeitsengeln nicht die Blöße geben zu müssen. Dabei geraten allerdings auch sie in die Verlegenheit, das Angesicht Gottes gar nicht so richtig zu kennen. Irgendwie „diffus“ soll es sein. Das lässt viel Spielraum: Soll er in anthropomorpher Gestalt in einer Wasserschüssel durch die Dunkelheit der Ursuppe paddeln? Oder sind doch vertonte nasse Fußspuren das angemessenere Mittel der Wahl? Genügt vielleicht gar eine schwebende Plastiktüte als Symbol des göttlichen Geistes? (Mendes' „American Beauty“ lässt grüßen...)

Als Partner wollen die beiden Engel gemeinsam das perfekte Stück erschaffen, aber als Konkurrenten will jeder auch derjenige sein, der den Anstoß in die richtige Richtung gibt. Bei einem Rundumschlag durch die Wesen der Bibel muss ein grunzender Leviathan als Ursprung der Schöpfung seinen Platz dem vermeintlich besser gelungenen Adam abtreten. Als Weggefährtin soll diesem passiven Männlein die emanzipierte Lilith herhalten. Aus Angst vor deren Dominanz verbannt der Schöpfer-Engel des Adam diese erste Frau jedoch und formt ihm stattdessen die züchtige Eva – blond, freundlich und willig, unten zu liegen. Mit einem Augenzwinkern wird die Schöpfungsgeschichte zu ihrer eigenen Parodie.

Der Umstand, dass die Engel schließlich tönend aus dem Himmelreich verbannt werden, weil auch sie nicht vor der Versuchung gefeit sind, vom Licht der göttlichen Weisheit zu kosten, reißt auch Adam und Eva mit hinab auf den Boden der Tatsachen.

Neues Stück – neues Glück?

Also Schluss mit dem Rollenspiel der Engel. Eine neue Ebene muss her: Alexandra und Eva Kaufmann stellen sich als Puppenspielerinnen vor, die nun statt der Geschichte von zwei Engeln, die die Geschichte der Schöpfung inszenieren wollen, Mark Twains „Auszüge aus Adams Tagebuch“ präsentieren. Die Plastiktüte wird zur Behausung der beiden nackten Puppen, die plötzlich mit den Alltagsproblemen des Daseins konfrontiert sind.

Mit minimalistischen Mitteln hat sich die Gruppe Kaufmann & Co. unter der Regie von Gyula Molnár ans Werk gemacht. Jeans, weiße Leinenkleider und winzige Flügel aus Buchseiten sind die Kostüme der Spielerinnen. Zwei schwarze Stellwände genügen als Bühnenbild. Auf mehreren Ebenen werden die Ideen zur Entstehung der Welt charmant, humorvoll und auch kritisch in Szene gesetzt. Dass das Ineinandergreifen dieser Vielschichtigkeit zum Teil nicht ganz klar ist, ebenso wie Positionierung der beiden Engel selbst, tut der Präsentation nicht wirklich einen Abbruch, sondern geht mit Gottes diffuser Gestalt Hand in Hand. Leider fehlt es dem Spiel mitunter an Natürlichkeit, die mehrmalige Aufzählung der verschiedenen Engel-Arten beispielsweise wirkt langatmig und die Angst vor denselben etwas gekünstelt.

Dauer: ca. 60 Minuten

Idee / Spiel: Alexandra Kaufmann, Eva Kaufmann

Bühne / Licht: Werner Wallner

Stimme: Michael Iwannek

Regie: Gyula Molnàr

Foto: © Arne Schmitt

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Michael Sullivan
Michael Sullivan am 23.10.2016 um 19:53 Uhr
This seems really insane. I wish I could see this performance live.

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