Kolumne: 60 Jahre Schrammeln

Der wohl verspäteste Geburtstagsgruß dieses Jahr Site4 von Arved Clute-Simon (26.07.2013)
Titelbild

Es kommt ein wenig spät, beinahe 4 Monate, aber am 28. April diesen Jahres wurde Kim Gordon, vermutlich den meisten als Bassistin von Sonic Youth bekannt, 60 Jahre alt.

    Zu debattieren, ob Sonic Youth eine Sonderstellung in der Musik einnehmen, ist müßig, seit über 40 Jahren stehen die Amerikaner für Veröffentlichungen die bis jetzt vom Alter nur den Reifeprozess zeigen. Übermüdung und Abnutzung, die viele Bands bereits nach der zweiten oder dritten Veröffentlichung ereilen, scheinen sich die Füße platt zu treten vor einer Tür wie von Kafkas Torhüter bewacht. Kaum zwei Alben die gleich klingen und doch keines das nach Verrat klingt, in immer neuen Kleidern ist es stets der selbe Sound, dieselbe Band die neue Facetten ihres Kerns erforscht – das dürftige Genrelabel 'No Wave' das maßgeblich mitgeprägt wurde enthält zumindest eine Wahrheit: Keine Wellen wurden mitgemacht, Hypes antizipiert und geprägt statt mitgeritten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kims Beitrag, ihre Rolle hierbei ist nicht einfach zu fassen. Nie fiel ihr ein klar zu durchschauendes, stereotypes Bild zu, etwas worauf viele weibliche Musiker, Feminismus und Gendertheorie in den Rücken fallend, zurückgreifen. Keine Femme Fatale im Stile von Courtney Love oder Nico, nicht die erhobene Faust wie sie Riot-Grrrl in die Welt trägt, nicht das joplin-onosche Blumenmädchen, keines der dreien dabei völlig unberührt lassend steht die Bassistin und Sängerin auf ihrem eigenen Podest: Mystisch hauchend, irrlichtend lockend, wie in weiße, runenbestickte Seide gehüllt bis grobschlächtig, gemein und gewaltätig, Truckercap und Dosenbier, dazwischen irgendwo auch missverstandener Teenager und altkluger Aktivist. Ein Kapitel, für das sich keine Überschrift finden lässt und sich, um auf den Eingang zurückzukommen, auch keine finden muss. Noch nicht.

 

Müde scheinen die 60 nämlich auch nicht zu machen. Die letzten Jahre haben Perfomances alleine, ein Album mit Bandkollege und Exmann Thurston Moore und Flowerpowerschreckschraube Yoko Ono, Ausstellungen und nicht zuletzt weiterhin die Arbeit mit Sonic Youth gesehen, daneben gedeiht Tochter Coco. Erstmal keine Überschriften, den Blick nach vorne, auf dass was Kim sicher noch tun wird.

Herzlichen Glückwunsch.

 

Foto: Katja Ogrin

 

Über den Autor:
Zuerst im Oktober 2011 in Leipzig gesichtet, treibt Arved sich mittlerweile in den dunklen Gassen des Anglistikstudiums herum. Nebenbei kultiviert er Nährböden für sporadisch entstehende Texte. Weitere Artikel des Autors gibt es hier.

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