La vida es un baile. Das Leben ist ein Tanz.

„Somos Mochileros“ ist eine Doku über Backpacker in Mittelamerika. Über Partytouristen, Weltverbesserer und Selbstfindungstrips. 23.09.2013
Titelbild

„Vivir el momento“, lebe den Moment, ist Mateos Motto. Der braungebrannte Argentinier sitzt mit verstrubbelten Haaren, vielen Armbändern und Zigarette im Mundwinkel am Ufer des Lago de Atitlán in Guatemala. Eben hat er mit den guatemaltekischen Frauen im See seine Kleider gewaschen. Er liebt das Dorf San Pedro La Laguna für die Nähe zur Natur, beim Aufstehen höre man die Vögel und habe einfach mehr Energie.

Eivind und Svenn laufen oben ohne durch die Mayaruinen von Copán in Honduras. Erzählen davon, dass sie mitten in die Wirren des Militärputsches geraten sind, Ausgangssperre verhängt wurde und die Grenzen zu sind. Eigentlich wollten sie noch nach Asien, unterwegs ist den Norwegern aber aufgefallen, dass sie zu wenig Zeit haben, überall durchhetzen müssen. „Wir waren unerfahren“, sagen sie. Aber auch wenn man etwas Ahnung habe, bewege man sich meist auf der „gringo-route“ durch Mittelamerika, wie sie im „Lonely Planet“-Reiseführer empfohlen ist, den fast jeder hat. „Man fährt ans andere Ende der Welt, um seine Nachbarn zu treffen.“

Der ‚Lonely Planet‘ schränkt ein, findet Juli. Die Backpacker hingen nur mit der Nase im Reiseführer, statt einfach die Einheimischen zu fragen. „Se pierdo algo lindo“, damit verpasse man etwas Schönes. Als Argentinier hat er gut reden, Spanisch kann er ja schon. Juli sitzt mit seiner Gitarre im sattgrünen Wald auf der Isla de Ometepe im Nicaraguasee und singt vom Reisen und vom Leben. Ein kubanischer Freund hat mal zu ihm gesagt: „Das Leben ist ein Tanz. Wer es tanzen kann, tanzt. Wer nicht – tanzt trotzdem.“

Das Wort ‚reisen‘ gefällt mir nicht, ich sage lieber ‚leben‘. Ich lebe hier und lerne und mache Erfahrungen. Reisen wäre für mich nur ein zweiwöchiger oder einmonatiger Urlaub.“ Jay aus Australien sitzt, sein Tagebuch auf den Knien, über dem nicaraguanischen Regenwald und beobachtet den Sonnenuntergang neben dem Vulkan. Er reise, „to learn about happiness".

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Rahel freut sich schon auf ihren Kleiderschrank zuhause,nicht mehr ewig nach dem einen T-Shirt im Rucksack wühlen zu müssen. Sie ist mit ihrem Freund Boris sechs Wochen in Mittelamerika unterwegs. Die Schweizer Studenten sind in Mexico City gelandet und fliegen von Costa Rica zurück, mehr war nicht geplant.Als einmal eine Fähre auf die Corn Islands in Nicaragua erst mit sieben Stunden Verspätung in See sticht, strapaziert das ihre Geduld bis aufs Äußerste – trotzdem ist sich Rahel sicher, dass sie nach dieser Reise die drei Minuten bis zur nächsten Tram in Zürich entspannter abwarten kann.

Katelyn ist, nachdem sie in Amerika ihr Studium beendet hat, für Freiwilligenarbeit nach Antigua gekommen. Morgens hat sie Sprachkurs, nachmittags arbeitet sie, dann geht sie mit Freunden in den Park oder ins Café, macht Sport, schaut Filme, oder skyped mit Freunden. „It has gotten into a pretty basic routine“, sagt sie über ihr Leben in Guatemala.

„Somos Mochileros“ ist ein Fernwehfilm. Staubige Straßen mit bunten Häusern, Regenwälder, Vulkane, Sonne, das türkisblaue Karibikmeer. Viele Reisende aus aller Welt, die verschiedene Beweggründe für das Reisen haben, verschiedene Ziele. Nur ein „Touri“ will keiner sein – obwohl alle welche sind. Die Filmemacher Jaška Klocke und Claudia Sebestyen sagen über ihren Film, er sei „ein Muss für alle Rucksacktouristen, oder diejenigen, die es werden wollen.“ Wer ihn anschaut, will jedenfalls nur eines: sofort losfahren.

 

Nicaragua, Guatemala, Honduras 2013, Dokumentation, 90 Minuten.

Bilder: © Jaška Klocke und Claudia Sebestyen

Hier geht es zur Homepage des Films. Auf der Startseite finden Sie unter dem Bus den Link zur Filmmusik von Juri.

Über die Autorin: Ariane Dreisbach studiert Geschichte und Literaturwissenschaften in Leipzig. Sie hat nach dem Abitur ein halbes Jahr in Chile gelebt und ist durch Peru, Bolivien und Brasilien gereist.

Weitere Beiträge der Autorin finden Sie hier.

 

 

 

Kommentare & Bewertungen

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Helen Cohen
Helen Cohen am 15.10.2016 um 01:08 Uhr
What an article. Great photos, and story!

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