Lesung im Plan B: gefährliche Sonntage, Amerikareisen und Erlebnisse eines Stadtstreichers

"Zwischen Rand und Band“ ist aus der Sommerpause zurück und zu hören war am 24. Oktober im Kulturcafé Plan B Selbstgeschriebenes von Robert Reimer, Benno Bings und Jonas Scheuch. Musikalische Beiträge gab es von der Band „Twins in Colour“. Site4 von Elisabeth Schmidt (19.11.2013)
Titelbild

Der Lesung mangelt es an diesem Abend nicht an Zuschauern und Zuhörern. Einige haben keinen Sitzplatz mehr bekommen und lauschen Eric, sonst Mitorganisator der Lesereihe und heute verkleinerte Version von „Twins and Colour“, im Stehen, während er den Abend mit einem "Walzer" eröffnet. 

Thumb_crop_200x100_blog_32252_7619_7099

 

 

 

 

Bei drei vortragenden Männern und einem Musiker entsteht der Eindruck, es handele sich bei dieser Lesung um geballte Manpower. Die Moderatorin Johanna Steiner versucht, dieses Bild wieder etwas zurecht zu rücken und fordert die Damenwelt auf, sich bei der nächsten Lesung wieder mit einzubringen.

Thumb_crop_200x100_blog_32252_7619_7100

Jonas ist der erste Vortragende, seine Texte werden als Bestandsaufnahmen, Aufbrüche und die Frage nach den guten alten Zeiten beschrieben. Er liest drei Kurztexte vor, die unter anderem in England und Amerika spielen. Die Texte unterscheiden sich vor allem durch ihre thematischen Inhalte. In einer der Geschichten reflektiert ein Schulabgänger seine Nahtoderfahrungen und denkt über die Zukunft nach. In der nächsten lässt uns der Erzähler an seinen Vorstellungen einer Amerikareise teilhaben. Diese sind für den Leser teilweise sachlich und kühl und dennoch meist emotional an bestimmte Begebenheiten oder Personen gebunden. Eine gewisse Aufbruchsstimmung verbindet alle vorgelesenen Texte von Jonas. Er hat vorher meist Lyrik geschrieben, beim Schreiben von Kurzgeschichten stehen für ihn die Pointen im Mittelpunkt. Seine Texte sind sehr wandelbar und abwechslungsreich, sie beschreiben unterschiedliche Personen und Lebensweisen. Leider ist Jonas‘ Vortragsweise teilweise etwas stockend.

Robert wird als Talent vom Deutschen Literaturinstitut Leipzig angekündigt. Er weist bescheiden daraufhin, dass er ein „Azubischriftsteller“ sei und bittet um Nachsicht. Der Text heißt „Umwege“ und beschreibt detailliert das Leben eines Obdachlosen, der trotz seiner Umstände versucht, gepflegt und höflich zu bleiben. Sein starkes Hungergefühl ist ihm dabei nicht immer behilflich. Robert beschreibt verschiedenste Situationen, in denen sich der Obdachlose befindet sehr anschaulich und teilweise erschreckend real: Von dem Versuch, um Geld zu betteln bis zur kläglichen Bemühung, den Hunger zu überwinden. Wie authentisch seine Kurzgeschichte ist, wird Robert vielleicht selbst deutlich, als er gefragt wird, ob er dafür Feldstudien betrieben hat. Das Publikum ist angetan von Roberts Text. Die genauen Beschreibungen der Verzweiflungstaten sind nicht unbedingt für Zartbesaitete geeignet. Gepaart mit der versteckten Komik seines Textes sind sie aber eine interessante Mischung. 

Thumb_crop_200x100_blog_32252_7619_7098

Benno bildet den Abschluss der Vorlesung und ist bereits ein bekanntes Gesicht auf der „Zwischen Rand und Band“-Bühne. Er liest zwei Kurzgeschichten: „Die Geliebte“ und „Die Sonntagsgefahr“. Der Protagonist der ersten Geschichte ist von Liebeskummer geplagt und wird beschrieben als jemand, der nur so vor sich hin gelebt hat und den Moment, sich seiner Geliebten zu offenbaren, verpasst hat. In „Die Sonntagsgefahr“ geht es um die Bedrohungen, die der Sonntag mit sich bringt, ein Tag an dem der Protagonist keine Arbeitspflichten hat, die Geschäfte geschlossen haben und sich scheinbar eine gefährliche Langeweile einschleicht. Die Geschichte beginnt in der Wohnung des Protagonisten. Jede noch so kleine unscheinbare Begebenheit wird dort beschrieben: das Herausfallen des Brotes aus dem Toaster sowie das stumme Umherschauen des Protagonisten im Raum. Direkte Dialoge gibt es in der Kurzgeschichte nicht, dafür ein „Wir“, dass das Tun des Protagonisten kommentiert, begleitet und befehligen will -  ohne dass er es hört. Durch diese außergewöhnliche Erzählinstanz bezieht Benno sein Publikum direkt mit in die Beobachtungen des Protagonisten ein.

Statt seine dritte Kurzgeschichte vorzulesen, holt Benno seine Gitarre hervor und entscheidet sich aus Zeitgründen dafür, ein Lied zu spielen. Er singt davon, im Kopf Platz für Fantasie zu machen. Den hat er sich offenbar selbst schon geschaffen.


 

Kommentare & Bewertungen (2) 

Jetzt selbst kommentieren/bewerten!
Mehta Kajal
Mehta Kajal am 07.08.2016 um 16:05 Uhr
nice...
Nellie Alvarez
Nellie Alvarez am 29.03.2016 um 15:59 Uhr
I wish I could see them live. Lyrics are amazing. Such a shame I am so far away.

© 2017 artileipzig.de - Sonja Laaser. All rights reserved.
all graphics, logos, designs, page headers, buttons, icons and other service names are the trademarks of nachtausgabe.de GmbH.