Lyrik am Montag

Titelbild


Der Frost lutscht blind die Farben aus,

als wäre er die Cinema-Funktion eines Bildbearbeitungsprogramms.

In den Wiesen hängt der Spätherbst und

vereint sich mit dem Nebel.

Rau aus Eiskunstfasern.

 

Dann: Alleen aus Schneebesen schmiegen sich

an Puppenhäuser.

Aus jenen steigt ein erster Qualm.

(Schornsteinromantik im Morgengrauen.)

Halt' an, du Blaue Stunde!

Spuhl die Spur noch mal zurück!

Hab' im ach so trägen Müßiggang

den Anfang schon verlor'n.

 

Man möchte sie halten, diese Stunden,

wie ein schlummerndes Kind.

Man möchte sagen:

Verharre noch in deinen Träumen, Welt!

Bleib so stumm und rauchverschlissen.

 

Doch ebenda

bricht das Gold durch all die Wipfel,

saugt an den letzten Zügen der Dämmerung.

Bronzezerrung im Sekundentakt.

 

Der Tag trägt noch den Wolfspelz

nur der Wald ruht grün und ernst.

Droben

an den taktvollen Schienen.

 

Sonnenblitze durchzucken den Birkenvorhang.

Man möchte im Vorübergehen den Schleier mit der Hand berühren,

wie Flaneure es bei Geländerstäben tun.

Nun beugt sich der Himmel,

mutig und unliniert,

über den schwindenden Kristall.

Im Schnellzug-Garten niest ein Mann.

Und in schneidender Geschwindigkeit

naht der Tag.

 

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