„Puppendingskunst“

Das Schweizer Theater Roos & Humbel zeigte für Kinder und Erwachsene am Wochenende „Die Bienenkönigin“ - eines der weniger bekannten Märchen der Grimm'schen Sammlung. Zu sehen gab es das Gastspiel im Lindenfels Westflügel. Site4 von Christina Mergel (11.12.2014)
Titelbild

Adventszeit – Märchenzeit! Was klischeehaft, ja fast abgedroschen klingt, bewahrheitet sich doch unermüdlich jedes Jahr aufs Neue. Kaum eine Spielstätte, die sich dem Märchenzauber aus Kindertagen entziehen kann. Im Westflügel lud man sich dazu zwei Gäste aus der Schweiz ein, die mit Puppenspiel und Musik in die Welt von verwunschenen Schlössern, schlafenden Prinzessinnen und drei ungleichen Brüdern entführten.

Nicht mit „Es war einmal...“, sondern mit einem Tonklumpen beginnt das heutige Märchen. Silvia Roos lässt die formbare graue Masse auf Tisch und Boden klatschen, teilt sie dann in zwei Hälften und steckt schließlich in beide Teile jeweils zwei Stäbchen – je eines davon mit einem Kopf. So einfach erwacht das tote Material als zwei Brüder zum Leben. Dadurch, dass der Ton noch ungebrannt ist, lassen sich die Figuren individuell zurechtbiegen.

Auch wenn das Märchen nicht zu den klassischen Weihnachtsgeschichten der Grimms gehört, sind Inventar und Handlung altbekannt: Drei Brüder sind unterwegs auf einer Abenteuerreise. Anders als die beiden älteren, hat der jüngste, der „Dummling“, ein gutes Herz und rettet Ameisen, Enten und Bienen vor den bösartigen Überfällen seiner Geschwister. Als es an die Erlösung eines Schlosses geht, scheitern die großen Brüder wie auch alle vorherigen Abenteurer an den drei zu lösenden Aufgaben und werden zu Stein. Der Dummling aber hat Erfolg, weil ihm die geretteten Tiere aus Dankbarkeit bei allen Aufgaben helfen. So bekommt er die jüngste und liebste der drei schlafenden Prinzessinnen zur Frau und wird selbst König. Die Brüder erwachen wieder zum Leben und heiraten die beiden älteren Prinzessinnen-Schwestern.

Man kann nun sicher das überholte Märchenkonzept und die antiquierten Geschlechterrollen kritisieren, gleichzeitig aber ist die Faszination für diese alten Geschichten bis heute ungebrochen. Es bleibt die Frage, worin der Reiz genau dieser Theaterinszenierung besteht: Die hübsche musikalische Gestaltung, die kleinen Kniffe und die liebevolle Umsetzung der Erzählung bringen nicht nur eine tierfreundliche Moral zum Ausdruck, sondern erfreuen auf völlig unaufgeregte Weise ganz einfach beim Zusehen. Wenn Stefan Roos als Ameisenhaufen verkleidet über die Bühne fährt oder Silvia Roos auf einem wassergefüllten Saxophon das Quaken der Enten imitiert, wenn das graue Männchen im Schloss leuchtend in der Luft schwebt, lachen und Staunen nicht nur die Kinder. Die Untermalung mit Tenor- und Altsaxophon ergänzt die „Puppendingskunst“ – wie Silvia und Stefan Roos ihr Theaterspiel selbst nennen – gelungen. In knackigen 45 Minuten zeigt das Duo, das seit fast 20 Jahren zusammen auf der Bühne steht, die „Bienenkönigin“, die vor drei Jahren unter der Regie von Christiane Zanger entstand. Ohne Frage für Kinder konzipiert, aber auch für Erwachsene ein schönes Erlebnis, das einen den Zauber der Märchenwelt spüren lässt!

Ab sechs Jahren.

 

Regie: Christiane Zanger

Spiel: Silvia Roos, Stefan Roos

Ausstattung: Silvia Roos

Theaterpädagogik: Gabi Mojzes, Charlotte Speiser

Technik: Robert Meyer

Foto: Robert Meyer

Koproduktion mit dem Theater Stadelhofen, Zürich

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