Shai Maestro

Auf dem neuen Album sieht man drei Männer im Anzug. Die stecken verkehrt herum mit dem Kopf in der Wiese. Dem einen sitzt ein Vogel auf dem Fuß. So war der Abend im Liveclub Telegraph eigentlich nicht, oder doch? Site4 von Luise Volkmann (03.12.2013)
Titelbild

 Als ich etwas zu spät im Telegraph ankomme, sind die in New York lebenden Musiker schon am Gange. Und es lauschen ihnen viele Ohren. Im Telegraph ist volles Haus. Die Leute sitzen auf den Stufen um den jungen Pianisten und seine Band zu hören. Er ist erst 26. Mit 20 hat er bereits mit dem berühmten israelischen Bassisten Avishai Cohen im Studio gestanden. Jetzt ist er unter seinem eigenen Namen in der Weltgeschichte unterwegs.

Der Israeli wirkt sympathisch und entspannt. Er stellt seine beiden Mitmusiker vor, als Inspirationsquelle und sehr gute Freunde. Auch die beiden, Jorge Roeder und Ziv Ravitz sind außerordentlich sympathisch. Das zeigt sich zum Beispiel dadurch, dass die drei nach jedem Titel entscheiden, welches Lied als nächstes gespielt wird. Um auf die Stimmung Rücksicht zu nehmen, erklären sie.

Das erste Set ist ein bisschen vom Umfeld abgelenkt: Ein knatschender Klavierhocker, ein schreiendes Baby, zerbrochenes Glas. Das Trio lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, aber trotzdem fahren sie zum zweiten Teil des Abends noch mal richtig auf: Auf ihre kraftvolle aber doch sensible Art spielen sie die Kompositionen von Shai Maestro. Dabei steht nicht "New Yorker Virtuosentum" im Vordergrund, sondern wie sie mit dem Klangspecktrum des Piano Trios spielen, überzeugt mich. Mit der Besetzung wird gespielt. Mal Solopiano, mal begleiten Bass und Klavier den Schlagzeuger, dann ein gemeinschaftliches Solo von Bass und Drums, bei dem Shai Maestro sogar kurz von der Bühne geht. Ein Lied, so sagt der junge Pianist, ist inspiriert von einer traditionellen hebräischen Flöte seines Großvaters. Und tatsächlich geht man mit seiner kreative Art des Spielens und Komponierens auf Reise.

Keiner kann genug bekommen von dieser Mischung aus Sympathie und einer Musik die anspruchsvoll, aber nicht überfordernd wirkt. Und die Band lässt sich vom Publikum noch drei Mal auf die Bühne jubeln. Am Ende spielt Shai Maestro sogar noch ein abschließendes Solostück. Und schon kurz nach dem Konzert stehen sie bei den Besuchern und unterschreiben CDs und freuen sich über kontaktfreudige Leipziger. So bekommt das Albumcover von "The Road to Ithaca" eine ganz andere Bedeutung: Kein musikalisches Understatement, aber eine Musik die sich nicht aufdrängt, Platz für ein bisschen Vogelgezwitscher lässt und trotzdem mitreißt.

Kommentare & Bewertungen

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Helen Cohen
Helen Cohen am 07.08.2016 um 18:20 Uhr
This seems really insane. I love Shai!

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