Spoken words im Kulturdschungel

Unsere neue Literatur-Reihe lichtet die Pfade des dichten Kulturdschungels in dieser Stadt und erweitert die Kenntnisse über das gesprochene Wort. Heute: Der Feuerpudel Site4 von Marion Bergermann (09.01.2013)
Titelbild

Der Feuerpudel

Zwischen Blumen, Wählscheibentelefon, Pokal, Kerze und einem Aufnahmegerät, das zu einem Mikrofon umfunktioniert wurde sitzt Diether Kabow und schaut sich um: „Werte Anwesende, hallo!“; der „Feuerpudel“ beginnt. Von seinem vollgestellten Tisch aus, inmitten der vielen Gäste, liest Diether Kabow vor, was ihm vorher geschickt wurde. Hinter dem feurigen Hündchen steht nämlich ein Konzept: Alle die gerne schreiben, aber sich nicht trauen, selbst vor einem Publikum zu lesen, reichen Texte ein und Diether Kabow liest sie vor. Oder, in seinen Worten, um auch den „grauen Mäuschen und kleinen Versteckmenschen“ ein Gehör zu verschaffen. Das tut er dann wirklich gut, und fühlt sich wohl in seiner Entertainer-Rolle, in sogar seiner Bar: Diether Kabow gehört zu den MitgründerInnen von „Rosi ich bin im Park“, einer typischen Neukölln-Location, die vor einigen Monaten eröffnet wurde. Seitdem ist der Feuerpudel hier eingezogen und lässt das geschriebene Wort walten. Neun Texte sind immer im Rennen, mit tosendem Applaus können die anonymen Schreiberlinge aber nicht rechnen: Denn klatschen muss man auf Gebärdensprache, das heißt man hebt die Hände auf Schulterhöhe und wedelt mit ihnen. Gewöhnungsbedürftig. Aber das ist Teil des Gesamtkonzepts, genauso wie der an der Decke baumelnde „Discopudel“, eine Diskokugel in Pudelform, und auch die Brosche des Vorlesenden ist im Hundestyle.

Abgesehen vom Pudel

Die vorgetragenen Texte sind eher lyrisch-prosamäßig und versuchen, einen literarischen Anspruch zu haben, doch das kann von Mal zu Mal variieren: Die ausgewählten Texte werden aus allen Einreichungen gelost. An diesem Abend gewinnt aber (per Publikumsentscheid) ein niveauloses Gedicht, das sich über andere Milieus als das der bürgerlichen pseudointellektuellen Normalo-Studenten lustig macht. Die GewinnerInnen können sich am Ende bekennen und ihre Preise abholen, oder unerkannt sitzen bleiben wenn sie denn da sind. Wer auf andere Genres steht, kann zu den Liebesgedichtelesungen in der gleichen Bar gehen.

 

Art: anonyme (Vor)Lesebühne

Termine: jeden 2. Mittwoch im Monat

Teilnehmer: Vorleser Diether Kabow und die anonymen Texte

Ort: Rosi ich bin im Park, Weserstraße 91, Ecke Treptower Str.

Tipp: Wer mitmachen will, schickt seinen Text an poetry@dunst-kreis.de

Tipp II: Begrüßenswerterweise geht es immer schon um 19 Uhr los

 www.dunst-kreis.de

http://allertageabend.wordpress.com

 

Foto: Angie Volk

 

 

Marion Bergermann

Über die Autorin:

Bei ArtiBerlin schreibt sie die Reihe "Spoken words im Kulturdschungel" und interviewt Leute aus der Literaturwelt.

Kommentare & Bewertungen (3) 

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Helen Thomas
Helen Thomas am 30.07.2016 um 17:08 Uhr
Insane photo, such a great concept and everyone underrates it. Ad Kulturdschungel, it's great as always.
Anna Murphy
Anna Murphy am 07.05.2016 um 16:07 Uhr
There is nothing better than spoken words! I love this event, great job!
Anna Tillett
Anna Tillett am 23.04.2016 um 11:55 Uhr
I love these masks and I really love Diether Kabow. I think this is one of the best events. I wish I could be there!

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