Streetart

Straßenkunst- zwischen Kunst und Eigentumsfreiheit. Streetart als Beitrag für eine gesunde Gesellschaft! Site4 von Sonja Laaser (12.12.2009)
Titelbild

Das Strassenschild der Simon-Dach-Straße wird umgeklebt zur Simon-Lach-Straße, auf dem Asphalt der Warschauer Brücke springem einem die Worte: “Es wird wieder” ins Auge. Gerade in Berlin bedienen sich mehr und mehr Künstler des öffentlichen Raums. Sie wollen Vorbeigehende zum Nachdenken anregen, mit ihrer Kunst Geschichten erzählen oder auf bestimmte Dinge aufmerksam machen. Welches Medium ist dazu besser geeignet als der öffentliche Raum, über den sich die grösste Masse der unterschiedlichsten Menschen erreichen lässt.

Allerdings stößt Strassenkunst nicht immer und nicht überall auf positive Resonanz. Gerade in der Politik mehren sich Diskussionen über die Bestrafung der illegalen Aktivisten. Erst kürzlich wurde nach heftigen Debatten ein Gesetz verabschiedet, durch welches der Staat nun härter gegen Writer vorgehen kann.

Und nicht nur in der Politik wird Strassenkunst kritisch betrachtet. Für einen Großteil der Bevölkerung ist unverständlich was an dem “Geschmiere” Kunst sein soll. Die Entscheidung darüber, was als Kunst anzusehen ist und was nicht, beruht jedoch stets auf subjektivem Empfinden.

So wurde 2002 das Bundersverfassungsgericht vor ein Problem gestellt, als auf dem Potsdamer Platz plötzlich ein grosser Haufen von Tierausscheidungen auftauchte, in dessen Mitte eine xx Flagge steckte.

Hätte ein Richter in einem solchen Fall ein subjektives Entscheidungsrecht, würde damit die in Artikel 5 garantierte Kunstfreiheit ausgehebelt werden.

Daher brauchen wir eine möglichst möglichst weite, allgemeingültige Definition, die versucht, sich dem Kunstbegriff zu nähern.
Nach dem Bundesverafssungsgericht ist Kunst: Schaffung,  Interpretationsfähig
Solange ein Werk sich im Rahmen dieser Definition bewegt, fällt es unter die Kunstfreiheit des Artikel 5 und ist somit schutzwürdig.

Hier das Urteil des “Kackhaufen Falls”
zunächst bloss ob es schutzwürdig ist oder nicht. Denn ob es auch tatsächlich geschützt wird, ist eine Frage die hier ja zunächst dahingestellt bleiben kann.

Diese interpretationsfähigen Werke der Streetart Aktivisten sind ein wichtiger Bestandteil unseres Stadtlebens. Durch tägliche Veränderungen ermöglichen sie einen aktiven Austausch und Kommunikation auf der Strasse. An der einen Ecke springt einem ein Smiley ins Auge. Vielleicht erheitert einen dieser Anblick und man wird für einen Moment aus dem Alltag gerissen. Vor einem alten Haus in der Warschauer Strasse sieht man die berühmten Stolpersteine von im Asphalt, die an die Opfer des Nationalsozialsimus erinnern sollen.
 Bananen als Auszeichnung für Gallerien.

Gerade ein Beispiel wie das der Stolpersteine zeigt, dass sich anfangs illegale Aktionen zu gesellschaftlich etablierten Kunstwerken entwickeln können.

Zwar fallen die soeben genannten Beispiele der Strassenkunst unter den vom Bundesverfassungsgericht entwickelten Kunstbegriff. Jedoch darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Kunstfreiheit dort ihre Grenzen hat, wo in die Grundrechte anderer eingegriffen wird. Schliesslich haben wir uns für ein demokratisches System entschieden und leben nicht in anarchistischen Verhältnissen

Schutzwürdigkeit bedeutet somit nicht, dass das jeweilige Werk auch tatsächlich geschützt wird. In dem Moment, in welchem beispielsweise durch die Besprühung oder Beklebung einer Hauswand in das Eigentumsrecht eines Anderen eingegriffen wird, kollidiert die Kunstfreiheit mit dem Grundrecht des Eigentums woraufhin eine Abwägung stattfinden muss. In einem Fall wie dem soeben genannten, läßt sich allerdings kaum
rechtfertigen, dass ein Writer das in fremden Eigentum stehende Grundstück gegen den
Willen des Eigentümers gestalten darf.

Wie jedoch bewertet man den Fall, in welchem der Künstler sich Ausspuffgasen bedient um damit an Hauswänden seinen Schriftzug zu hinterlassen? Schliesslich werden die Hauswände tagtäglich durch Abgase von vorbeifahrenden Autos angegriffen. In letzterem Fall ist die Verschmutzung jedoch lediglich eine Nebenfolge und nicht der Zweck des Umstandes, dass Autos uns als Fortbewegungsmittel dienen. Der Writer hingegen zielt mit der Beschmutzung unmittelbar auf die Verunstaltung hin.

Solche Beispiele zeigen, dass die Schutzwürdigkeit und der tatsächliche Schutz eines Werkes, von den Umständen des Einzelfalls abhängen und es in jedem Fall einer eigenen Abwägung bedarf. Auch zeigen diese Beispiele, dass Strassenkunst ein unverzichtbarer Bestandteil einer jeden Stadt ist, dessen gesellschaftliche Bedeutung nicht ignoriert werden darf. Über Jahrzehnte läßt sich die Entwicklung der Strassenkunst zurückverfolgen.


Eine Auseinandersetzung mit der Strassenkunst ist unbedingt notwendig, da dieses Mittel der Kommunikation zur gesellschaftskritischen Auseinandersetzung beiträgt und somit den Menschen die Möglichkeit gibt, Missstände anzuprangern.

Wie auch andere Bewegungen, entwickelt sich Strassenkunst mit den Jahren weiter. Es handelt sich nicht bloss um eine temporäre Modebewegung, sondern um eine eigene Kultur, die einen wesentlichen Teil zur Förderung der menschlichen Kommunikation beiträgt.

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