"Was hat Lindsey gesagt?"

"The Bling Ring" von Sofia Coppola lässt tief hinter die Bling-Bling-Kulisse der Reichen und Schönen in Los Angeles blicken. Es geht um Statussymbole, Beachtung und Bewunderung. 01.09.2013
Titelbild

Fünf junge Leute aus reichen Familien, voll von Leichtsinn und süchtig nach Aufmerksamkeit, bedienen sich an den Kleiderschränken der Hollywood-Prominenz. Das Internet versichert ihnen, wann die Stars sich anderweitig amüsieren und die riesigen Villen leerstehen. Dem Film „The Bling Ring“ von Sofia Coppola liegt ein Artikel über diese Diebe zugrunde, der 2010 in der Glam-Zeitschrift „Vanity Fair“ erschien.

Elektromusik wummert, die Jugendlichen ziehen sich eine Linie Kokain nach der anderen in die Nase und tanzen in Zeitlupe in ihren gestohlenen Klamotten durch einen Edelclub in Los Angeles. Sie stoßen mit Champagner an – „Auf eine Scheiße geile Nacht!“. Das Geld dafür kommt von geklauten und viel zu billig vertickten Rolex-Uhren, die Kleider der Mädels sind aus der Villa von Paris Hilton geklaut. Per Du sein mit den Reichen und Berühmten Hollywoods, davon träumen die Fünf, die alle auf die Förderschule gehen, die „Versagerschule“. Aber nicht die Intelligenz, sondern die Garderobe zählt.

Sie fahren dicke Autos, grölen die Radiomusik mit („Live fast, die young, bad girls do it well“), sie verstecken ihre Augen hinter großen Sonnenbrillen und die Mädels werfen ihre langen Haare mit hundert Mal vor dem Spiegel geübter Bewegung auf den Rücken. „Sie wollte Teil von diesem Lifestyle sein, von dem jeder ein Teil sein wollte“, sagt Marc (Israel Broussard) nach seiner Festnahme über Rebecca (Katie Chang). Sie ist die Knallharte: „Hör auf rumzuflennen wie ein Mädchen“, sagt sie zu Marc, der nach einigen Einbrüchen Angst bekommt. „Ich will was von Chanel“, sagt Rebecca – und die Bande zieht weiter zur Villa von Rachel Bilson.

„The Bling Ring“ ist bis zur Mitte des Films nicht besonders spannend. Die immer nach dem gleichen Muster ablaufenden Raubzüge fangen an zu langweilen, genauso wie das Gekreische der Jugendlichen beim Anblick ihrer Haute-Couture-Beute. Dann kommt die Erlösung – die Polizei nimmt die Fünf fest. Über drei Millionen Dollar ist das Diebesgut wert, aber es geht gar nicht richtig um Geld, es geht um Statussymbole, es geht um Beachtung und Bewunderung. So interessiert Rebecca nach ihrer Festnahme eigentlich nur eins. Sie fragt den Polizisten: „Was hat Lindsey gesagt?“

Nicki (Emma Watson), Rebecca, Sam (Taissa Farmiga), Marc und Chloe (Claire Julien) sind verwahrloste Kinder. Den uninteressierten Eltern fällt im Film die gleiche Rolle zu wie im Leben ihrer Kinder – so gut wie keine. Sie zeigen die Oberflächlichkeit, die ihre Kinder schon wie einen Schutzschild um sich tragen. Die zig Facebook-Bilder, auf denen die jungen Diebe mit Paris Hiltons Ketten und Megan Fox‘ Taschen posen, verschwinden aus dem Netz, als die Polizei sie festnimmt. Helden bleiben sie trotzdem. „Ich habe heute 800 Freundschaftsanfragen auf Facebook bekommen“, sagt Marc im Verhör, „ und ich habe sie alle angenommen.“

 

Amerika 2013, Drama, 91 Minuten

Bilder: © Tobis Film

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Über die Autorin: Sofia Dreisbach studiert Geschichte und Literaturwissenschaft in Leipzig. Weitere Beiträge der Autorin finden Sie hier.

Kommentare & Bewertungen (2) 

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Olivia Etheridge
Olivia Etheridge am 01.12.2016 um 13:21 Uhr
You look really insane, I would love to be with that crew!
James Anderson
James Anderson am 25.02.2016 um 10:31 Uhr
Ich mag Emma Watson. Sie ist eine kühle Schauspielerin.

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