Wie ich das Leben liebe Teil 2

Titelbild

 

Es ist wieder da. Es macht Krawall, schlägt um sich. Beißt sich durch bis ins Mark. Es bleibt. Und bleibt. Geht nicht weg. Der Terminplaner quillt über. Da ist kein Platz für Angst. Kein Platz für Zweifel. Kein Platz für Missmut. Da sind nur Zahlen und zu den Zahlen passende Tage, mit den passenden Namen und den passenden Uhrzeiten. Sie verpassen sich gegenseitig. Die Uhrzeit den Tag und die Zahlen die Namen und alles gerät durcheinander. Nichts findet sich mehr. Alles bleibt verloren und es fühlt sich an, als wäre es für ewig. Für immer verloren. Bittere Tränen über das für immer, naive Freude über das doch nur kurzzeitig ausgestiegen sein. Doch ein kurzer Moment später das Misstrauen, die Behutsamkeit. Und dann die Euphorie. „Ja, ich will. Ich will für immer. Ich will leben, bauen, strampeln, atmen, entdecken und erfinden. Ich will leben. Soviel leben, dass keine Zeit zum sterben bleibt.“ Alles wird bunt, es ist grell und verschwommen. Die Zahlen passen zu den Tagen und die Uhrzeiten passen zu den Namen und alles gerät in Ordnung. Es läuft, es vibriert. Ganz geheim, nur für mich, nur in mir. Keine Stricke reißen, die Straßen tragen mich und ich bin leicht. Es gibt keine Liebe hinter Gittern, es gibt keine Krankheit. Keine Gene, die hinken und humpeln. Nichts könnte mich aufhalten.

Der Wind ist langsamer, die Flügel brauch ich nicht. Ich kann auch ohne fliegen. Ich bin ein Teil von etwas. Endlich. Endlich bin ich irgendwas von dem Ganzen hier. Soviel schönes, soviel wunderbares. Die Menschen um mich herum, sie pulsieren. Sie sind voll von Magie und Hoffnung. Sie leuchten wie Glühwürmchen und befruchten meinen Verstand mit Ideen und Tatendrang. Es passiert. Die Zeit steht still. Alles dreht sich und es wird mir so klar, so klar. Jetzt oder nie. Es ist da. Es passt. Es macht Klick. Es wird echt. Alles ist egal und deshalb so gut. Es ist nicht wichtig wann, wie, wo, mit wem und für wie lang. Ich mag´s so gern behalten. Es soll mein sein, so lange bis es mich irgendwann einfach nicht mehr gibt. Ich eine Gewesene bin. So ein Leben das ist schon was ganz besonderes. So Momente, die sind schon echt ganz schön krass. Zufälle oder Schicksal wie es manch einer nennt. Das ist schon abgefahren, gigantisch, einfach nicht fassbar. Wie Wolken am Boden und Kiesel im Himmel.  Begegnungen sind das Beste von allem. Vor allem diese, die so kurz sind, dass man sich ganz arg anstrengen muss alles ganz schnell in sich aufzusaugen. Diese Momente werden zu den inneren Räumen in denen ich wohnen darf, wenn´s draußen eng wird.

Vom Kinn bis zum Bauchnabel ist in mir ein Treppenhaus und da geh ich rauf und runter und runter und rauf bis da eben die richtige Tür ist. Da fällt Licht rein in das Haus der Treppen, manchmal helles und manchmal eher gedimmtes. So wie draußen auch. Allen fällt es auf. Manchmal gibt es uns eben und manchmal nicht. Da können wir starren, stundenlang und unbeweglich, anästhesiert vom Leben. Verschluckt von einer Wand an der wir lehnen und warten. Mit Geschrei, ohne Geschrei, Jeder für sich, so wie er´s braucht. Es gibt da keine Garantie. Darauf wie es später sein wird und eigentlich will ich die auch gar nicht haben und ich begreife nicht, dass das alles so wichtig sein soll. Das wir das nicht einfach mal lassen können. Das ich das nicht einfach mal lassen kann. Ich bin doch so eigentlich gar nicht, dachte ich. Ich mag das Leben lieber ohne Stoppuhr und Pfeife. Lieber eins mit Esel und Grashalm.

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