Gisbert und Band in der NATO…

…Begeistern mit toller Musik, Humor und einem musikalischen Abschied von Nils Koppruch Site4 von Denis Gießler (18.07.2014)
Titelbild

Ursprünglich sollte der Hamburger Musiker Nils Koppruch Oktober 2012 in der NATO auftreten. Aufgrund seines völlig unerwarteten Todes fiel das Konzert aus, die Ankündigung prangte dennoch über eine Woche in schwarzen Lettern an der Programmtafel und schmerzte Fans jedes Mal aufs Neue. Und jetzt, nicht ganz zwei Jahre später, tritt Koppruchs Bandkollege Gisbert zu Knyphausen in der NATO auf, wobei die Tour explizit „Gisbert zu Knyphausen und Kid Kopphausen Band“ genannt wurde. Wie der Tourname schon verrät, sollte es an diesem Abend auch Songs geben, die sich auf dem gemeinsamen Album mit Nils Koppruch „I“ befinden. Und vielleicht sollte mit dem ersten Konzert nach Koppruchs Tod auch ein musikalischer Abschied von dem verstorbenen Musiker genommen werden.

Bereits vor Konzertbeginn waren die Reihen schon ordentlich gefüllt, Platzmangel herrschte aber dennoch zu keinem Zeitpunkt. Als dann die Band um Gisbert zu Knyphausen mit ihren ersten Songs loslegte und sich im Anschluss mit locker-witzigen Sprüchen – „ohne Proben ganz nach Oben“ – und kleineren Neckereien gegenseitig aufzog, verzog sich die anfangs doch recht drückende Stimmung. Es schien, als schwappte eine Welle der Euphorie, gepaart mit ein wenig Melancholie, von der Bühne durch die Zuschauerreihen. Die Atmosphäre spiegelte sich deutlich in den entspannten und zufriedenen Gesichtern der Zuschauer. Herrschte auf den bisherigen Alben des 35jährigen Hamburgers „Gisbert zu Knyphausen“ (2008) und „Hurra! Hurra! So nicht.“ (2010) ein eher ruhig-melancholischer Klang vor („Herzlichen Glückwunsch“), erschien ein Großteil der Songs in einem komplett neuen, teilweise positiveren Gewand. Mit dem Tod von Nils Koppruch ging die Band indes sehr feinfühlig um. Einzelne Songs von „Kid Kopphausen“ wurden behutsam verändert, ohne dabei Koppruchs Geist aus den Texten zu tilgen, so etwa bei „Hier bin ich“. Mitunter wirkte es gar so, dass Koppruch mit auf der Bühne gestanden hätte. Tabuisiert wurde das Thema nicht, sondern vielmehr musikalisch verarbeitet.

Als sich das Konzert dem Ende neigte, gab Knyphausen noch ein paar Solo-Songs zum Besten. Das Publikum konnte sich die letzten Lieder wünschen; „Sommertag“, „Kleine Ballade“ und „Wer kann sich schon entscheiden“ standen zur Auswahl. Mit „Sommertag“ unterstrich Knyphausen einmal mehr seine musikalischen Qualitäten. Mit dem letzten Song „Spieglein Spieglein“ sollte auch der letzte Zuschauer wachgerüttelt und mit einem guten Gefühl nach Hause geschickt werden. Die besten Worte fand dafür der Song selbst: „Und jetzt schau nicht so gequält – das sieht scheiße aus.“

 

Zum Autor: Denis Gießler, 24, studiert Geschichte und lebt in Berlin.

Foto: www.wattnsound.com

Kommentare & Bewertungen (5) 

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Frank Smith
Frank Smith am 26.03.2017 um 18:07 Uhr
Hier Bin Ich is definitely their opus magnum!
Elizabeth Daniels
Elizabeth Daniels am 25.02.2017 um 17:02 Uhr
Amazing men, truly amazing. I admire they so much.
Robert Smith
Robert Smith am 28.09.2016 um 15:38 Uhr
Insane article, one of the best bands ever.
Robert Jones
Robert Jones am 25.04.2016 um 20:09 Uhr
For the first time, I thought it's boring and not in my type. After few replays I really loved Kid Kopphausen! Great music.
Ryder Anderson
Ryder Anderson am 08.03.2016 um 18:06 Uhr
They sounds great! Such a sharp and clean vocal ;)

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